PROJEKT ERINNERUNGSSTELEN

 

Kaum ein Historiker hat in der jüngeren Zeit den geschichtspolitischen Diskurs weltweit so geprägt wie der französische Geschichtswissenschaftler Pierre Nora. Jenseits der an der Chronologie orientierten Analyse historischer Abläufe wandte er sich dem historischen Erbe zu: Herausragende Ereignisse, berühmte Persönlichkeiten, bedeutende Orte und Denkmale wurden exemplarisch als Teil des kollektiven historischen Gedächtnisses geschildert.

 

„Das Gedächtnis“, so Noras Credo,
„klammert sich an Orte, wie die Geschichte an Ereignisse!“

 

Seine Arbeiten über die lieux de mémoire haben das Nachdenken über europäische Erinnerungsorte angestoßen - so auch in Deutschland.

Im Gegensatz zu den Altvorderen leierte man nun nicht mehr bloß Orte siegreicher Schlachten herunter, sondern stellte sich auch solchen wie Auschwitz oder Buchenwald - Orte, deren Erwähnung bis ins Mark trifft und für deren Existenz man sich abgrundtief schämt. Hagen Schulze und Etienne Francois haben 2001 die „Deutschen Erinnerungsorte“ herausgegeben und hierbei Erinnerungsmarken aller Seelenlagen benannt: Die Nationalhymne wie „Achtundsechzig“, Brandts Kniefall wie die Bundesliga, die D-Mark wie den Volkswagen.

 

Hierzulande hat die Saarländische Gesellschaft für Kulturpolitik e.V. mit einer Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Peter Winterhoff-Spurk die Idee der Erinnerungsorte aufgeworfen. Und nach der Ausschreibung eines an der Hochschule der Künste Saar initiierten Wettbewerbs unter der Ägide von Prof. Heinrich Popp wurde sie 2007 schließlich in Form von Erinnerungsstelen gegossen.

 

Die 225 Kilo schwere, dennoch dezent anmutende Stele (Entwurf: Vera Brandenburger-Schmitt) besitzt im oberen Teil des vierseitigen Stahlkubus vier Tafeln. Drei davon zeigen eine kurze Information über den Erinnerungsort in deutscher, französischer und englischer Sprache.

 

Bislang sind acht solcher Stelen - bisher ausschließlich zum Gedenken an Personen - im Saarland aufgestellt.

 

Unser Buch zu diesem Thema:
Kurt Bohr / Peter Winterhoff-Spurk (Hrsg.) :
„Erinnerungsorte - Ankerpunkte saarländischer Identität“

Schriften der Saarländischen Gesellschaft für Kulturpolitik, Röhrig Universitätsverlag 2007